Cyberwar - Wie alles begann

Autor: Dieter Schröter / Erstveröffentlichung 2012

Dieser Artikel wurde im August 2012 erstmals veröffentlicht. An Aktualität verloren hat er nicht.

Cyberwar - wie alles begann

Die Geister die sie riefen

Stell Dir vor es ist Krieg – Cyberkrieg und keiner ….

Wo findet der Cyberwar statt ? Selbstverständlich im Cyberspace, also im Internet, dort wo wir uns alle jeden Tag bewegen. Erfunden und gebaut wurde dieses Internet bzw. das ARPANET 1969 in einem Projekt der Advanced Research Project Agency (ARPA) des US-Verteidigungsministeriums.

„Der Mythos, dass das Arpanet entwickelt worden sei, um nuklearen Angriffen zu widerstehen, ist aber nach wie vor eine dermaßen starke und ansprechende Idee und auch eine „gute Geschichte“, so dass viele Leute nicht glauben, dass sie falsch ist. Abgesehen davon, dass die Entwicklung des Arpanets durch die RAND-Artikel beeinflusst wurde, ist sie es aber zumindest offiziell. Laut Aussagen der ARPA wurde vielmehr nach einer Methode gesucht, die die damals knappen Rechenkapazitäten der einzelnen Hochschulen durch Datenaustausch besser ausnutzen sollte. Das Arpanet wurde später erweitert, um Netzwerkverluste auszugleichen, aber der Hauptgrund waren die auch ohne nukleare Angriffe sensiblen Netzwerkverbindungen.“

Quelle: "Wikipedia - Das Arpanet und der Atomkrieg"

Der Vater

Selbstverständlich lag das offizielle Ziel des Projektes ARPANET nur darin, die teuren und knappen Rechenkapazitäten der Universitäten zu nutzen. Egal warum das ARPANET erfunden wurde, es ergibt sich daraus folgende Tatsache: Der Vater des Internet ist das US-Verteidigungsministerium, eine Behörde mit einer sehr engen Beziehung zur Thematik Krieg bzw. Cyberwar.

Die Waffe

Lassen Sie uns doch die Werkzeuge der Kriegsmaschinerie analysieren. Für einen Krieg benötigt man Waffen, im Cyberkrieg nennen wir diese Software.
Die Waffe Software wurde bereits in den 80er Jahren gegen die Sowjetunion beim Bau der Transsibirischen Gas-Pipeline eingesetzt. Der Betrieb der Pipeline war aufgrund der hohen Komplexität nur mit Unterstützung von Automatisierungstechnologie möglich. Die Sowjetunion verfügte zu diesem Zeitpunkt nicht über das Know How für die Programmierung der Software der Steuerungssysteme und deshalb wurde eine Raubkopie der Software kurzerhand „besorgt“. Die Gerüchteküche behauptet nun, dass das CIA in diese Raubkopie eine logische Bombe eingebaut hat. Sicherlich wollte damals niemand der Beteiligten die daraufhin folgende Explosion der Pipeline.

Quelle: "Wikipedia - At the Abyss"

Das erste Opfer

Die Regierung von Estland hat als erstes Land Online Wahlen durchgeführt und strategisch auf die online Kommunikation gesetzt. In Estland ist ein HighSpeed Internet Zugang das Grundrecht für jeden Bürger und alle Behördengänge werden online angeboten. Mehr als 95 % der Bankgeschäfte werden über das Internet durchgeführt.

Im Jahr 2007 erfolgt ein gezielter massiver Cyber-Angriff auf Estland. Auslöser der Attacke war die Versetzung einer Statue eines russischen Soldaten (Denkmal für gefallene Kameraden) aus dem Stadtzentrum auf einen Soldatenfriedhof.

Zuerst gab es massive reale Demonstrationen mit Straßenschlachten, brennenden Autos und zerstörten Schaufensterscheiben.

Nachdem der Soldat versetzt war geschahen ab dem 27 April um 09:42 Uhr seltsame Dinge im Internet von Estland. Alle Regierungswebseiten waren nicht mehr erreichbar, das Online Banking brach zusammen und sogar die Nachrichtenportale funktionieren nicht mehr.

Die realen Straßenschlachten wechselten in den virtuellen Cyberspace. Die Angreifer bombardierten die Estnischen Server mit anfangs 100 Angriffen pro Stunde. In den folgenden 2 Wochen steigerten sich die Attacken auf das Maximum am 09.05 mit über 4 Millionen Angriffen pro Sekunde. Estland war von der Aussenwelt abgeschnitten.

Im Endeffekt wurde in Estland das Internet als Infrastruktur für den Transport der Waffen (Malware, Hackertools) in das Kriegsgebiet, gegen eine ganze Nation eingesetzt.

Der Friede

Die behördliche Chronologie der deutschen Cyber-Abwehr (siehe auch www.dsin-blog.de/cyberwar) zeigt schon sehr anschaulich die Bemühungen um einen anhaltenden Frieden. Seit Juni 2012 haben wir zur Aufrechterhaltung dieses Friedens auch unsere Bundeswehr, die sich mit der Abwehr gegnerischer Attacken im Internet befasst, und sich auch seit Jahren selbst darauf vorbereitet anzugreifen.
Inzwischen ist es nur sehr vereinzelt zu Angriffen zwischen Nationen im Internet gekommen.
Damit der Friede im Cyberspace noch lange anhält rüsten also alle Nationen ihre Cyber-Waffen auf.

Die Strategie einen Frieden in der virtuellen Welt lange aufrecht zu lassen ist ein interessanter Diskussionspunkt.